Rundum Versicherungsblog

Schadensregulierung, Berufsunfähigkeit und PKV News

USA: Schadensrisiko anhand Kreditwürdigkeit eingeschätzt

| Keine Kommentare

Dass Versicherungen klare mathematische Modelle aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung nutzen, ist hinlänglich bekannt. Wer beispielsweise eine Kfz-Haftpflicht abschließt, hat mit einer geringeren Kilometerleistung oder vielen Jahren unfallfreiem Fahren bessere Karten. In den USA wird neuerdings auch die Kreditwürdigkeit als Kriterium herangezogen.

Hierüber berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung und unterscheidet zunächst zwischen Versicherungen als Solidargemeinschaft mit einer Kollektivierung von Risiken oder einer profitorientierten Herangehensweise, wie sie heutige Versicherungen praktizieren. Letztere arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten und kalkulieren anhand derer die Tarife.So kommt es mehr und mehr zu Telematik-Tarifen, in die auch das Fahrverhalten bzw. Verhaltensaspekte einfließt. In den USA wird das Fahrverhalten auch anhand der „credit scores“ vorausgesagt. Diese „scores“ gleichen dem Schufa-Eintrag in Deutschland, der auch nicht nur für einen Mietvertrag herangezogen wird, sondern auch für Käufe auf Rechnung oder die Bereitstellung eines Mobilfunkvertrags entscheidend sein kann.

Was hat das Ganze mit der Wahrscheinlichkeit von Autounfällen zu tun? Möglicherweise nichts und doch nutzten US-Versicherer der „credit score“, ganz einfach, weil diese Herangehensweise funktionierte. Die Soziologin Barbara Kiviat von der Stanford University hat die Daten umfassend ausgewertet und auch den Streit zwischen den Versicherern und den Regulierungsbehörden, die die Herangehensweise beanstandete.

Heraus kam, dass zwar keine direkte Kausalität zwischen Kreditwürdigkeit und Unfallwahrscheinlichkeit besteht, wohl aber ein Zusammenhang über den Aspekt des Verantwortungsbewusstseins hergestellt werden kann:

Kreditwürdigkeit und die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Versicherungsleistung einfordert, hängen ab vom Einkommen. Wer ein höheres Einkommen hat, kann Schäden selbst tragen und vermeidet es, seine Versicherung in Anspruch zu nehmen, um eine Prämienerhöhung zu vermeiden.

Die US-Behörden sahen hierin eine Diskrimierung von Personen mit geringem Einkommen und entschieden, dass niedrige „credit scores“ zumindest in der Folge einer Scheidung oder Arbeitslosigkeit nicht herangezogen dürften. Ein genereller Stopp der Praxis wurde jedoch nicht verhängt…

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.