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Reiserücktrittsversicherung: Rechtsstreit um den Leistungsumfang

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Eine Reiserücktrittsversicherung kann ein probates Mittel zur Absicherung eines Urlaubs bzw. der entstehenden Kosten bei Absage sein. Es lohnt sich jedoch, das Kleingedruckte zu lesen. So haften die Versicherer lediglich bei einer „unerwarteten Krankheit“ und übernvehmen in diesem Fall die Stornokosten.

Doch wann ist eine Krankheit „unerwartet“ und wann nicht? Diese Frage wurde unlängst vor dem Amtsgericht München (Az: 159 C 5087/16) verhandelt, wo ein Versicherungsnehmer auf Schadensregulierung klagte. Die entscheidende Frage bestand darin, ob auch die Verschlimmerung einer chronischen Krankheit als „unerwartet“ gelten kann.

Im konkreten Fall hatte ein 77-Jähriger eine Reiserücktrittsversicherung über seine Kreditkarte abgeschlossen. Entsprechend den Versicherungsbedingungen wurden hierbei jedoch bei Reisebuchung bestehende Krankheiten aus der Haftung genommen. Bei dem Mann lag jedoch seit 2006 eine nicht akute kompensierte Niereninsuffizienz vor, die viele Jahre keinerlei Beschwerden verursachte.

Ende 2014 erlitt der Mann eine Angina und musste im Krankenhaus behandelt werden, 2015 kam Bluthochdruck hinzu und es zeigten sich erhöhte Kreatin-Werte. Die Ärzte rieten dem Mann daraufhin vom Antritt der Reise ab und dieser reklamierte dies als neue und unerwartete Krankheit.

Zurecht, wie die Richter urteilten, denn die Versicherungsbedingung bedeute eine unangemessene Benachteiligung. Was fehle, so die Richter, sei die Differenzierung zwischen bekannten und unbekannten Vorerkrankungen. Entsprechend sei auch die vorliegende Krankheit als „unbekannt“ und daher „unerwartet“ einzustufen, da ein zufälliges akutes Ereignis (Angina) zugrundelag.

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