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PayPal Reiserücktritts-Versicherung in der Kritik

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Sie ist praktisch, lässt sich schnell abschließen, enthält jedoch offensichtlich unwirksame Klauseln. Die Rede ist von der PayPal Reiserücktritts-Versicherung, die in Zusammenarbeit mit Europ Assistance auf den Markt gebracht wurde. Der Bund der Versicherten (BdV) hat nun eine Abmahnung verschickt.

Wie das Versicherungsjournal dokumentiert, sind nach Ansicht des BdV einige Aspekte in den Versicherungsbedingungen nicht mit deutschen Recht vereinbar. Wenn jedoch ein EU-Versicherer seine Dienste ausschließlich für den deutschen Markt anbietet, so dürfen nach Ansicht des BdV nicht die europäischen, sondern nur die deutschen Maßstäbe gelten.

Konkret wird unter anderem „höhere Gewalt“ als Rücktrittsgrund gefordert und bestimmte Fälle von grober Fahrlässigkeit führen dazu, dass die Reiserücktritts-Versicherung die Schadensregulierung verweigert. So zeigen sich Mängel in der Definition des Versicherungsfalls und dem Obliegenheitsrecht, die beide nicht den deutschen Standards entsprechen.

Dadurch, dass explizit auf „höhere Gewalt“ Bezug genommen wird, sind sowohl schwere Verletzungen aus Unfällen als auch eine unerwartete schwere Krankheit unter Umständen nicht mit eingeschlossen. Die konkrete Definition in der PayPal-Versicherung lautet:

ein unvorhersehbares, außergewöhnliches, unvermeidliches und außer der Kontrolle des Versicherten stehendes Ereignis, das auch durch die Anwendung aller gebotenen Sorgfalt nicht vom Versicherten hätte vermieden werden können

was nach Ansicht der Kritiker nur schwer konkretisiert werden kann.

Hinzu kommt, dass das „Alles-oder-nichts-Prinzip“ in der Versicherungswirtschaft seit 2008 abgeschafft wurde, jedoch durch einen Leistungsauschluss bei grober Fahrlässigkeit über die Hintertür wieder Einzug hält, was nach Ansicht des BdV ebenfalls nicht rechtens ist.

Es handelt sich übrigens keineswegs um die erste Reiserücktritts-Versicherung, die Probleme mit dem BdV bekommt. Vor rund zwei Jahren wurde die Hansemerkur Reiseversicherung AG sogar verklagt und auch deren Tochter BD24 Berlin Direktversicherung AG hatte eine Abmahnung erhalten.

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