Rundum Versicherungsblog

Schadensregulierung, Berufsunfähigkeit und PKV News

Ist Friendsurance am Markt angekommen? Ein Jahr Schadensfrei-Bonus

| Keine Kommentare

Vor mehr als einem Jahr berichteten wir hier über die Versicherungsplattform Friendsurance und Ihre Idee der Beitragsrückerstattungen bei Schadenfreiheit. Das Fintech-Startup wurde damals in der Tageszeitung „Die Welt“ noch kritisch als Marketing-Gag beurteilt. Seither hat sich viel getan und Friendsurance hat einiges bewegt. Konnte sich die Idee durchsetzen? Wir ziehen eine vorläufige Bilanz.

Friendsurance kannte der Kunde bisher eher als Anbieter von Elektronikversicherungen mit Rückzahlungsoption. Im Bereich Smartphone-Versicherungen ging Friendsurance sogar bei der Fachzeitschrift CHIP im November 2014 als Testsieger hervor.

Mit der Bekanntheit des Unternehmens sind auch die Versicherungsarten gewachsen: Seit August 2014 wirbt das Startup mit dem Schadensfrei-Bonus für bestehende Versicherungen in den Sachversicherungssparten Hausrat-, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen. Damit richtet es sich an Versicherte, die mit Ihrer Police und Ihrem Versicherungsunternehmen zufrieden sind, aber sich ärgern, dass es in diesem Bereich keine Belohnungen gibt, wie man es von Krankenversicherungen kennt. Das Unternehmen agiert als Makler und bietet dem Kunden an, seinen Vertrag um den Schadensfrei-Bonus zu erweitern. Dazu arbeitet es inzwischen mit über 70 großen deutschen Versicherungsunternehmen zusammen und konnte immer mehr Partner von den Vorteilen überzeugen.

Das Unternehmen betont, dass sich dieses Prinzip für beide Seiten lohnt: Die Versicherungen sparen Geld für die Bearbeitung kleiner Schäden und weniger Versicherungsbetrug, der Kunde erhält die Möglichkeit, einmal im Jahr eine Rückzahlung zu erhalten. Auf dem Markt angekommen ist die Idee seit Ihrem Start 2010 in jedem Fall. Das Branchenmagazin Versicherungswirtschaft heute bezeichnete den Online-Makler im April diesen Jahres „als historischen Einschnitt der Versicherungsgeschichte“.

Laut Website funktioniert das System über eine Art Gruppen-Netzwerk: Die Plattform schließt die Versicherten in kleinen Gruppen zusammen und erhöht im Versicherungstarif die Selbstbeteiligung. Dabei fließt ein Teil der gezahlten Versicherungsbeiträge in einen „Topf“. Dieses Geld wird genutzt, um kleine Schäden zu bezahlen. Am Jahresende bekommen alle Gruppenmitglieder einen Teil des gesammelten Geldes zurück. Viele Versicherte befürchten beim Thema Selbstbeteilung, dass Ihnen am Ende doch Kosten entstehen. Hier ist das System ein wenig erklärungsbedürftig: Die Selbstbeteiligung bei kleinen Schäden trägt nicht der Kunde selbst. Wenn der Topf aufgrund zahlreicher zu regulierender Schäden leer sein sollte, springt eine Ausfallversicherung ein.

Im Bereich der Haftpflicht- und Hausratversicherungen haben viele Versicherte oft jahrelang keine Schäden. Der Anreiz des Friendsurance-Prinzip ist vor allem die Gemeinschaft: Wer eine Rückzahlung erhalten möchte, denkt an die Gemeinschaft und verhält sich umsichtiger. So wird nicht jeder kleinste Schaden gleich gemeldet und der Anreiz für Versicherungsbetrug ist nicht mehr gegeben.
Fraglich ist, ob es bei diesen Versicherungsarten bleibt? Friendsurance kündigt an, sein Angebot ebenso in naher Zukunft auf Wohngebäude- und Kfz-Versicherungen auszuweiten.

Für das Jahr 2013 erhielten über 90% der Kunden eine Rückzahlung. Für 2014 waren es immerhin noch 84% der Kunden, die den Schadensfrei-Bonus nutzten. Wir sind gespannt, ob diese Zahlen auch in der nächsten Rückzahlungsrunde Anfang 2016 wieder erreicht werden können.

Derzeit hat das Unternehmen laut eigenen Angaben eine hohe fünfstellige Kundenzahl. Es bleibt abzuwarten, ob sich das durch die aktuelle TV-Kampagne nicht schnell ändern wird.

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.