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Baden-Württemberg: unnötige Zusatzversicherungen für Schüler vermittelt

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In Schwaben spricht man mitunter von einem „Gschmäckle“, wenn eine Sache nicht so ganz seriös scheint. So wie die vermittelten Zusatzversicherungen für Schülerinnen und Schüler im Bundesland Baden-Württemberg. Der Versicherungsschutz wird meist nicht benötigt und doch fungieren Lehrer flächendeckend als Versicherungsvermittler.

Der „Spiegel“ widmet sich diesem Fall und berichtet darüber, dass das baden-württembergische Kultusministerium dafür sorgt, dass die Eltern der Kinder entweder Policen der Württembergischen Gemeinde-Versicherung AG (WGV) oder der Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verbandes (BGV) erhalten. 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler erhalten eine solche Police.

Der Preis liegt bei nur einem Euro pro Schuljahr, wobei auch weitere Zusatzversicherungen wie für Garderobe (ein Euro), Fahrrad (sechs Euro), Musikinstrumente (sechs Euro) und für Internatsschüler (sechs bis sieben Euro) angeboten werden. Neben einer Haftpflichtversicherung sind meist auch Unfall- und Sachschadensversicherung inbegriffen.

Das klingt zunächst einmal gut und günstig doch gehen Verbraucherschützer und Experten davon aus, dass nur die Wenigsten eine solche Versicherung überhaupt benötigen. Die Unfallversicherung ist von Gesetz wegen ohnehin obligatorisch und betrifft sämtliche Schüler an allgemeinbildenden Schulen. Eine Haftpflichtversicherung besitzen nahezu immer die Eltern und meist sind die Kinder in vollem Umfang eingeschlossen.

Die Vermittlung von Versicherungen erfolgt bereits seit 1971 und widerspricht nach Ansicht von Kritikern der 2002 erschienenen Verwaltungsvorschrift zur „Werbung für wirtschaftliche, politische, weltanschauliche und sonstige Interessen“. Seitens der Schulen wird vielfach der Eindruck einer Pflichtversicherung suggeriert, wenngleich die Leistungen nicht denen einer „echten“ Versicherung entsprechen. Ein Beispiel ist die die Versicherungsleistung bei einer Vollinvalidität in Höhe von nur 112.500 Euro.

Ob die Praxis auch juristische Konsequenzen haben könnte, bleibt abzuwarten. Ungewöhnlich ist das Vorgehen aber in jedem Fall, zumal kein anderes Bundesland eine entsprechende Kooperation zwischen privatwirtschaftlichen Versicherungsunternehmen und öffentlichen Schulen kennt.

 

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